Der MGV Josefstal

Von „Jugendfrisch, harmonisch rein..“ bis „Die Welt braucht Lieder“

Der MGV Josefstal wird 1912 als „Sängerclub Josefstal“ in St.Ingbert, im Gasthaus Kastel in der Josefstaler Straße gegründet. Mitbegründer und erster Vorsitzender ist Josef Peters, der dem Verein bis 1924 vorsteht. Als ersten Dirigenten verpflichtet der junge Chor Peter Busch, der allerdings bereits nach einem Jahr von Richard Ripplinger abgelöst wird.
Nach den ersten musikalischen Erfolgen, die sich rasch einstellen, wird die Vereinstätigkeit durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Schon 1919 hält der Chor allerdings wieder die ersten Proben ab und erringt bald vordere Plätze bei Gesangswettbewerben. Aus dieser frühen Zeit existieren leider keine Unterlagen mehr. Ältestes Zeugnis ist eine Einladung zur Generalversammlung aus dem Jahre 1923. Die Einladung bezeugt schon den engen Kontakt zum Zitherclub. Diese Verbindung hielt viele Jahrzehnte und brachte fast jährlich ein Konzert hervor.
Jacob Kastel wird 1926, nach Peter Horst, Vorsitzender des Vereins und führt den Chor ins Jubiläumsjahr 1927. Das Stiftungsfest zum 15. Vereinsjubiläum wird am Pfingstwochenende mit zahlreichen Veranstaltungen begangen und steht unter dem Motto: Dem Guten, Wahren, Schönen soll der Gesang ertönen. Am 09. Oktober 1927 erfolgt die Umbenennung in „Männergesangverein Josefstal.“ Eine weitere Veränderung bringt auch der neue Dirigent Leon Bloch. Von ihm weiß der Chronist zu berichten, dass seine finanziellen Forderungen im Jahre 1928 sogar zu einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträgen führen.

Die 30er Jahre, unter den Vorsitzenden Albert Herrmann, Jacob Kastel, Otto Kastel und Hans Bleif sind ein schwieriges Jahrzehnt für den Chor. Die hohe Arbeitslosigkeit, die politischen Veränderungen aber auch die Gründung anderer Chöre und die damit verbundene Abwanderung von Sängern fordern ihren Tribut.
Nach Jacob Schneider und Otto Klein übernimmt Albert Süßdorf 1939 die musikalische Führung und behält den Dirigentenstab bis 1953.
Der 2. Weltkrieg unterbricht abermals die Chortätigkeit auf dramatische Weise. Es gelingt dem MGV Josefstal aber bis 1944 Chorproben abzuhalten.
Bereits im Jahre 1946 wird die Arbeit wieder aufgenommen, geprobt und eine Wiedergründungsversammlung abgehalten. Erster Vorsitzender nach dem Krieg wird Albert Kastel. Doch der Chor muss einen herben Rückschlag erdulden; die französische Militärregierung verbietet alle Vereine. Pro Gemeinde wird nur eine kulturelle Vereinigung erlaubt. So existiert der MGV Josefstal einige Jahre als Gesangabteilung Josefstal in der Musikvereinigung Harmonie. Dieser Abteilungsstatus hält die Chöre und Orchester nicht davon ab, innerhalb der Vereinigung ihre eigenständige Vereinstätigkeit auszuüben. Der Chor wächst, ist musikalisch erfolgreich und unternimmt seine ersten Reisen.

Im Februar 1956 wird eine besondere Seite im Buch des MGV Josefstal aufgeschlagen. Heinrich Mayer übernimmt als Dirigent den Chor. Mayer, der 1977 zum Chormusikdirektor SSB ernannt wird, leitet den Chor 38 Jahre lang. Unter seiner Leitung führt der Chor viele große Konzerte durch, bei denen fast eine dreistellige Sängerschar auf der Bühne steht. Zahlenmäßig nicht zu erfassen sind die vielen Auftritte des Chors bei Veranstaltungen der Stadt und anderer Vereinen, die Rundfunk- und Fernsehauftritte sowie die Teilnahmen an Freundschafts- und Wertungssingen. Der MGV Josefstal wird unter der Leitung von Heinrich Mayer zu einem leistungsfähigen und sauberen Klangkörper und zu einem der saarländischen Spitzenchöre. Noch heute profitiert der Chor von dieser Periode.
Mit dem musikalischen Erfolg wachsen auch die Ziele der Reisen. Der MGV Josefstal will seine Musik in die Welt tragen, sein Können unter Beweis stellen und vor allem Kontakte zu Sängern aus der ganzen Welt knüpfen. Die Konzertreisen führen den Chor in die Schweiz, nach Frankreich, Österreich, Finnland, Holland, Wales, in die USA, in die UdSSR, nach Italien und Kanada. Aus diesen Reisen bestehen immer noch zahlreiche Verbindungen und Freundschaften zu ausländischen Chören.
„Jugendfrisch, harmonisch rein sollen Lied und Leben sein“ ist über viele Jahre Erkennungsmelodie des MGV Josefstal und ziert auch die 1963 geweihte Vereinsfahne. Jugendfrisch ist auch der Chor in dieser Zeit mit einem Durchschnittsalter von knapp über 40 Jahren.


Neben seiner musikalischen Tätigkeit tritt der Verein auch als Organisator vieler gesellschaftlicher Veranstaltungen auf. Zahlreich sind die vereinsinternen Veranstaltungen wie Kameradschaftsabende, Kinderfeste, Frauenfahrten, Familienreisen, Weihnachtsfeiern und Ständchen. Doch auch öffentliche Veranstaltungen stehen auf dem Vereinskalender. Schon immer werden Tanzveranstaltungen wie der Herbstball oder das Faschingstreiben im „Beckerbräu“ durchgeführt. Doch der 1971 ins Leben gerufene „Speckball“ sprengt bald alle Rahmen und wird zu der zentralen Faschingsveranstaltung in St.Ingbert. Über Jahre erfolgreich ist das „Parkfest“ im Elstersteinpark, das in der 80er Jahren das Kinderfest in der Au ablöst. Auch beim St.Ingberter Stadtfest ist der Verein mit einem großen Festzelt vertreten. Zu seiner eigenen Adventsfeier gestaltet der Chor über viele Jahre die Weihnachtsfeier im städtischen Altersheim.
Der MGV Josefstal ist bis heute ein reiner Männerchor. Glaubt man der Presse und dem Fotografen – in den Vereinsunterlagen gibt es keine klaren Hinweise – so gibt es 1970 für kurze Zeit einen Frauenchor im Verein.

Im März 1994 übernimmt Hans Joachim Hofmann den Dirigentenstab von Heinrich Mayer. Sein berufliches Engagement beim Staatstheater und die Verpflichtung als Chorleiter bringen gelegentlich zeitliche Konflikte. Doch es gelingt ihm, beides zu meistern, auch wenn er dafür dem Chor hinterher reisen muss oder auch mal im Kostüm des Theaters dirigiert. Unter seiner Leitung setzt der Chor seinen Erfolgskurs fort. Viele niveauvolle Konzerte stehen auf dem Programm. Der Chor geht weiter auf Reisen. Alte Freunde z.B. in Holland und den USA werden besucht, neue in Ungarn, Frankreich, Griechenland und Deutschland hinzugewonnen.

Doch die Zeiten ändern sich, Chorgesang kommt aus der Mode und viele Männerchöre im Umfeld schrumpfen, müssen sich verändern, zu gemischten Chören werden oder gar ganz aufgeben. Dieses Schicksal will der MGV Josefstal nicht teilen. So beschließt der Vorstand, den Dirigentenwechsel 2005 zum Anlass zu nehmen, neue Wege zu gehen.
Hans Joachim Hofmann legt altersbedingt seine Dirigententätigkeit nieder und mit Hans Dieter Kuhn ist bald ein junger Nachfolger gefunden. Zunächst fungieren beide Dirigenten parallel und die Sänger kommen zweimal wöchentlich zu den Proben. In einem großem Chorkonzert im September 2005 verabschiedet sich der scheidende Chorleiter im ersten Teil mit dem Ewigen Kreis. Der neue Dirigent stellt anschließend sein Können mit Ufa Melodien unter Beweis.
Mit neuer und modernerer Literatur, die teilweise ungewöhnlich für Männerchöre ist, begeistert Hans Dieter Kuhn seine Sänger. Dass dieses musikalische Konzept der neuen Wege aufgeht, beweisen die ausverkauften Konzerte mit Liedern von Udo Jürgens 2006, mit Deutschen Schlagern 2008 und mit Film- und Musicalhits 2010. Von diesen Konzerten wurden professionelle Mitschnitte auf CD gebrannt. Bisheriger Höhepunkt des gemeinsamen musikalischen Schaffens von Chor und Dirigent war die Uraufführung der „Messe in H“, einer Komposition von Hans Dieter Kuhn, im Dezember 2011.

Auch mit ihrem neuen Chorleiter gehen die Sänger auf Reisen. Sie stellten 2007 in Kroatien und 2010 in Spanien ihr musikalisches Können unter Beweis.
Einige, nicht mehr ganz zeitgemäße Veranstaltungen, wie z.B. der Speckball werden aus dem Vereinskalender gestrichen. Neue, wie der Hexenball als Tanz in den Mai, kommen hinzu und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.
Neben den großen Konzerten tritt der Chor bei vielen Gelegenheiten auf, beim Chorfestival, dem Neujahrsempfang, den Sommerkonzerten in der Luschd, der Eröffnung des Stadtfestes, der Ingobertusmesse u.v.m. .

Mit über 50 aktiven Sängern gehört der MGV Josefstal noch zu den zahlenmäßig großen Männerchören. Das heißt aber nicht, dass den Verein keine Nachwuchssorgen plagen. Damit der Chor auch in Zukunft leistungsfähig bleiben kann, werden mehrere Werbeaktionen gestartet. Mit dem Flyer „Kommt und singt mit“, mit den Presseaktionen 2005 und 2006, dem Flyer „Reine Männersache“ 2007 und einer großen Werbeaktion im Wochenspiegel 2009 gelingt es die Zahl der Sänger konstant zu halten.

Öffentlichkeitsarbeit ist für den MGV Josefstal kein Fremdwort. Bereits seit 1970 existiert eine eigene Vereinszeitung, der Sängergruß, der z. Zt. zweimal jährlich erscheint. Doch auch „neue“ Medien werden genutzt. Der Chor besitzt eine eigene Webseite, www.mgv-josefstal.de. Darüber hinaus ist der Chor auf vielen Internetseiten und -foren vertreten.
In Sachen Vereinsvorsitz setzt der MGV Josefstal auf Kontinuität. Der erste Vorsitzende, Josef Peters ist von 1912 bis 1924 im Amt. Die späteren Vorsitzenden wechseln oft schon nach wenigen Jahren, teilweise sogar jährlich. 1936 wird der spätere Ehrenvorsitzende Otto Kastel zum 1. Vorsitzenden. Er hat dieses Amt 6 Jahre inne, allerdings nicht am Stück sondern in drei nicht zusammen liegende Perioden. Mit Herbert Gries, der dem Verein bereits von 1949 bis 1950 und 1952 bis 1956 vorsteht, beginnt eine länger Periode von 1958 bis 1969. Ihm folgt Richard Moses, der den Verein 6 Jahre von 1969 bis 1975 führt. Sein Nachfolger Erwin Triem hat das Amt des Vorsitzenden sogar für 18 Jahre, von 1975 bis 1993 inne. Horst Schmelzer, Ehrenmitglied des Vorstandes des Kreischorverbandes, führt den Verein von 1993 bis 1999. Sein Nachfolger, Walter Wack, war 16 Jahren im Amt. Seit 2015 ist Uwe Meisenheimer Vorsitzender des MGV Josefstal.

2012 feiert dem MGV Josefstal seinen 100. Geburtstag und wird für seine Leistungen mit der Zelter-Plakette geehrt. Der MGV Josefstal wollte in den hundert Jahren seines Schaffens nicht nur guten Chorgesang in seiner Heimat präsentieren , sondern seine Musik auch in alle Welt tragen. Die Auflistung der Konzertreisen gleicht dem Inhaltsverzeichnis eines Atlanten. So wurde mit dem Titel eines Lieds von Udo Jürgens auch das Motto für das Jubiläumsjahr gefunden. „Die Welt braucht Lieder“

Nachdem  Hans-Dieter Kuhn beim Neujahrsempfang 2014 überraschend seinen Rücktritt ankündigt, wird mit Friedel Hary ein geeigneter Nachfolger gefunden, mit dem der Chor zuversichtlich in die Zukunft blickt.